In Nordwestdeutschland ist Sphagnum warnstorfii extrem selten. Die Art ist in Niedersachsen vom Aussterben bedroht und galt in der Rote-Liste-Region Tiefland bereits als ausgestorben bzw. verschollen (Koperski 2011). Lediglich im Harz waren noch einzelne Vorkommen vorhanden; jüngere Nachweise liegen hier aber nur für Sachsen-Anhalt vor.
Ende August 2026 wurde nun im Altwarmbüchener Moor (MTB 3525/3) bei Hannover ein kleines Vorkommen von S. warnstorfii entdeckt. Das Polster ist ca. 15 dm² groß und liegt im zentralen Hochmoor östlich der A7. Derzeit dürfte dies der einzige Nachweis für Niedersachsen sein; für das Altwarmbüchener Moor handelt es sich um einen Neufund (Meinunger & Schröder 2007).
Aber was macht eine so anspruchsvolle Art der basenreichen Niedermoore in einem Hochmoor? Tatsächlich ist die Vergesellschaftung mit Hochmoorarten wie Andromeda polifolia und Vaccinium oxycoccos ungewöhnlich. Betrachtet man jedoch nur die Torfmoosgesellschaft am Wuchsort, dann wird das Bild klarer. Hier ist S. subnitens bestandsbildend. Daneben treten S. fallax, S. papillosum und S. teres zahlreich auf. Typische Hochmoorarten wie S. rubellum und S. magellanicum agg. fehlen dagegen vollständig.
Als Ursache für diese scheinbar widersprüchliche Vergesellschaftung von Gefäßpflanzen der Hochmoore und Torfmoosen minerotropher Standorte vermute ich den Eintrag basenreicher Stäube aus nahegelegenen Mergelgruben. Diese wirken zunächst auf die Moosschicht und haben über viele Jahrzehnte zu einer Veränderung der Artenzusammensetzung geführt. Gefäßpflanzen sind davon weniger stark betroffen, da aufgrund der hohen Pufferwirkung des Hochmoortorfes nur noch eine geringe Dosis im Wurzelraum ankommt. Bei genauerer Betrachtung lässt sich aber auch bei ihnen ein gewisser minerotropher Einfluss erkennen: So ist der Anteil von Andromeda polifolia und Eriophorum vaginatum deutlich geringer als in anderen Hochmooren der Region, und stellenweise dringen Niedermoorarten wie Osmunda regalis ein. Die Besonderheit des Altwarmbüchener Moores geht damit auf eine anthropogene Störung zurück: Durch die passive Kalkung des Hochmoores hat sich eine für Niedersachsen einzigartige Pflanzengesellschaft entwickelt.
Link zu Observation.org: https://observation.org/observation/418919480

